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Warum ich mit Materialien arbeite, die sich wehren

 

Eine persönliche Reflexion über Widerstand, Material und das Denken, das im Prozess entsteht.

In der Auseinandersetzung mit jüngsten Absagen bei offenen Ausstellungen wurde mir erneut bewusst: Diese Erfahrung ist nichts Ungewöhnliches. Ablehnung gehört zum Ökosystem, in dem sich die meisten Künstler:innen bewegen – besonders dann, wenn die eigene Arbeit zwischen etablierten Kategorien angesiedelt ist.

Dabei bin ich zu einer Frage zurückgekehrt, die mir häufig gestellt wird: Warum Metall?
Nicht als Verteidigung, sondern als Versuch zu verstehen, wo meine Arbeit steht – und wie sie gelesen wird.

Einmal fragte mich jemand, warum ich mit Metall arbeite. Es ist eine einfache Frage, doch für mich gibt es darauf keine kurze Antwort.

Tatsache ist: Metall will nicht geformt werden.
Begreift man es als lebendiges Material, wird sein Verhalten leichter verständlich.

Jedes Metall leistet auf seine eigene Weise Widerstand. Kupfer gibt nach, vergisst jedoch nie. Es lässt sich leicht biegen und verhärtet sich dann im Protest. Kohlenstoffstahl widersetzt sich länger und bewegt sich schließlich auf einmal – entschieden und unerbittlich. Keines von beiden ist passiv. Jedes verlangt Respekt und will verstanden werden.

Als Gestalter ist dieses Verständnis entscheidend.

Man zwingt dem Metall keine Form auf. Man studiert seine Grenzen: Gefüge, Temperaturbereich, Materialstärke, Spannung. Man lernt, wann es sich bewegt – und wann es versagt. Gestaltung ist nicht der Akt des Erzwingens, sondern die bewusste Entscheidung, wie viel Widerstand man eingeht.

Metall verzeiht keine Fehler. Man radiert sie nicht aus, man integriert sie.
Ein falsch gesetzter Biegevorgang hinterlässt Spannung. Zu viel Hitze hinterlässt Erinnerung. Jede Entscheidung bleibt im Material eingeschrieben.

Mir ist bewusst, dass Arbeiten wie diese innerhalb bestimmter Ausstellungskontexte schwer einzuordnen sind. Metall – besonders dann, wenn der Entstehungsprozess sichtbar bleibt – wird häufig eher dem Handwerk als der bildenden Kunst zugeordnet. Die Arbeit ist sichtbar. Das Können ist lesbar. Und manchmal überdeckt diese Sichtbarkeit die Intention. Für mich jedoch ist der Widerstand des Materials nicht beiläufig – hier liegt das konzeptuelle Gewicht der Arbeit. Das Denken geschieht am Punkt des Drucks.

Man kann es nicht beschleunigen.
Man kann es nicht vortäuschen.

Kraft ohne Verständnis ist immer sichtbar.

Ich dominiere das Metall nicht. Ich verhandle mit ihm. Ich arbeite mit seinem Widerstand, nicht gegen ihn. Ausrichtung schafft Stärke. Kontrolle erzeugt Brüche.

Die Spuren bleiben bewusst sichtbar.
Schleiflinien. Hitzespuren. Feine Verformungen.
Belege dafür, dass das Material aufgefordert wurde, sich zu verändern – und ehrlich geantwortet hat.

Ein Werk ohne Widerstand ist Dekoration.
Ein Werk, das durch Konflikt geformt wurde, hat Gewicht.

Metall will nicht geformt werden.
Und wir auch nicht.

Deshalb arbeite ich mit Materialien, die Widerstand leisten.

Meine Arbeit entsteht in Irland – geprägt von Landschaft, Klima und einem Materialverständnis, das Widerstand nicht vermeidet, sondern sucht.

Richard Andreucetti

Metallarbeit mit keltischem Motiv, sichtbar geformt durch Hitze, Biegung und Materialwiderstand

Eine materialgeführte Interpretation eines keltischen Motivs, geformt durch Widerstand und nicht durch aufgezwungene Gestalt.

Keltisches Pferd aus Kupfer, geformt durch Widerstand des Materials
Dieses keltische Pferd entstand im Dialog mit dem Kupfer: Gebogen, verhärtet, geformt durch Widerstand. Jede Linie erzählt vom Material, vom Prozess und von der Kraft, die im Widerstand liegt.
Kupferne Fossilskulptur mit grüner Patina, gestaltet durch Materialwiderstand

Dieses Fossil entstand im Dialog mit dem Kupfer und seiner grünen Patina. Jede Linie, jede Textur erzählt vom Widerstand des Materials, vom Prozess des Gestaltens und von der Zeit, die im Material selbst eingeschrieben ist. Das Ergebnis ist eine Skulptur, die Spuren der Bewegung und des Wandels sichtbar macht